Rückblick: Ethisch-nachhaltig investieren im entwicklungspolitischen Kontext

Am 3. März fand in St. Augustin in Kooperation mit der Steyler Ethik Bank die CRIC-Veranstaltung „Ethisch-nachhaltig investieren im entwicklungspolitischen Kontext: Möglichkeiten – Grenzen – Chancen – Hindernisse“ statt.


In einem Eingangsreferat gab Rolf D. Häßler vom NKI-Institut für nachhaltige Kapitalanlagen einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Anlageformen im entwicklungspolitischen Kontext, deren Besonderheiten und Wirkungsweisen. Dabei ging Häßler auch auf die Sustainable Development Goals (SDGs) ein und die Frage, in welcher Form private und institutionelle Anleger zur Erreichung dieser Ziele beitragen können.

Häßler sensibilisierte außerdem für die Problematik, dass Staatsanleihen von Schwellen- und Entwicklungsländern beim Nachhaltigkeitsrating sehr häufig schlechte Plätze belegen. Kritikpunkte seien dabei neben Korruption nicht selten auch schlechte Bewertungen in den Bereichen Bildung und Infrastruktur, – Bereiche für deren Ausbau gerade Gelder benötigt würden.


Im anschließenden Referat von Reinhard Heiserer, CRIC-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer des internationalen Hilfswerks Jugend Eine Welt, wurden ganz konkret Erfahrungen aus Sicht eines Akteurs aufgezeigt: Wie werden Projekte ausgewählt, wie werden sie begleitet und „evaluiert“? Was sind die Herausforderungen und Schwierigkeiten? Darüber hinaus lenkte Heiserer unter anderem den Blick auf die Frage nach der „Perspektive“. So ergeben sich ganz unterschiedliche Einschätzungen, je nachdem, ob man die Frage nach einer angemessenen Rendite oder beispielsweise nach der Laufzeit einer Anlage aus Sicht von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern oder aus Sicht von europäischen Investoren stellt.

In der anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion wurden die Fragestellungen  „Möglichkeiten – Grenzen – Chancen – Hindernisse“ noch einmal vertieft und aus den verschiedenen Perspektiven der Podiumsteilnehmer/innen aufgegriffen. Neben den beiden Referenten waren Jutta Hinrichs (Steyler Ethik Bank), Matthias Lehnert (Oikocredit Deutschland) und Karin Siemann (oekom research AG) auf dem Podium vertreten. Die Diskussion wurde von Michael Diaz (Alternative Bank Schweiz und CRIC-Vorstandsmitglied) moderiert. Während die Steyler Ethik Bank als Bank eine umfassende Produktpalette anbietet, mit der Besonderheit, dass über die Steyler Missionare direkte Kontakte in über 80 (meist Schwellen- und Entwicklungs-)Länder existieren, ist Oikocredit seit vielen Jahren als Entwicklungsgenossenschaft insbesondere auf den Bereich „Mikrokredite“ spezialisiert. Die oekom research AG stellt mit ihren weltweiten Bewertungen von Unternehmen, Produkten und Staaten entscheidende Informationen zur Verfügung und fungiert dementsprechend als eine zentrale Schnittstelle zwischen Anbietern von Anlageprodukten und Investoren.

Bei der Diskussion wurde deutlich, dass die Frage nach einer Definition von ethisch-nachhaltigen Geldanlagen im entwicklungspolitischen Kontext durchaus nicht so einfach zu beantworten ist. Wenngleich Einigkeit darüber bestand, dass das Ziel solcher Anlagen sein sollte, Armut zu reduzieren und Möglichkeiten zu schaffen Einkommen zu generieren, gilt es zugleich die ökologische Perspektive im Blick zu behalten. Hierbei kommt es – insbesondere in entwicklungspolitischen Kontexten – nicht selten zu deutlichen Zielkonflikten. Nicht einfacher gestaltete sich die Frage nach der Wirkungsmessung (= Impact). Diese wurde sehr unterschiedlich eingeschätzt. Einig war man sich darüber, dass es sehr schwierig ist, hier einheitliche Standards bzw. Kennzahlen zu ermitteln und diese anzuwenden. Während einerseits die Meinung vertreten wurde, dass gerade eine „nachhaltige Wirkung“ zum Wesen einer nachhaltigen Anlage gehöre,  so wurde andererseits kritisch die Frage gestellt, wie viel Energie man in die Ausarbeitung und Durchführung solcher Messungen stecken solle? In jedem Fall, so bestätigten die anwesenden Akteure, die direkt mit entwicklungspolitischen Projekten befasst sind, seien „Wirkungsmessungen“ wichtig zur eigenen Selbstkontrolle.  

In der weiteren Diskussion mit dem Publikum wurden Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht und weitere Fragen erörtert. Abschließend lässt sich festhalten, dass große Einigkeit darüber bestand, dass gerade die entwicklungspolitische Perspektive im Kontext ethisch-nachhaltigen Investierens unerlässlich ist. Die Veranstaltung konnte zu diesem Themenfeld einige wichtige Impulse geben. Manche Fragen sind offen geblieben, andere neu entstanden. CRIC wird sich auch in Zukunft, sehr gerne im weiteren Dialog mit den Akteuren der Veranstaltung, mit diesen Fragestellungen beschäftigen.

20170304 091950-min

V.l.n.r.: Moderator Michael Diaz (CRIC-Vorstand, Alternative Bank Schweiz), Jutta Hinrichs (Stabstelle Ethik und Nachhaltigkeit bei der Steyler Ethik Bank), Matthias Lehnert (Geschäftsführer Oikocredit Geschäftsstelle Deutschland), Reinhard Heiserer (CRIC-Vorstand, Vorsitzender Jugend Eine Welt), Karin Siemann (oekom research AG), Rolf Häßler (NKI).