Rückblick: Mikrokredite - WerteLeben - Impulse

Im Rahmen der Veranstaltungsreiche „Werte Leben – Impulse“ luden das Haus der Begegnung Innsbruck, die Diözese Innsbruck und CRIC zum diesjährigen Anlass am 8./9. Mai 2017 unter dem Thema Mikrofinanz ein.

In einem Referat beleuchtete Prof. Dr. Wolfgang Palaver von der Universität Innsbruck die Frage, ob marktwirtschaftliche Modelle soziale Probleme lösen können. Die Antwort mag auf Anhieb nicht eindeutig ausgefallen sein, gibt es doch gute Gründe für ein Ja als auch ein Nein auf diese Frage. Weder eine Verteufelung noch eine Vergötterung von marktwirtschaftlichen Modellen stehen dabei im Vordergrund, sondern ein Mittelweg, welcher mit „vitalpolitischer Einbettung des Marktes“ umschrieben werden kann. Zwei Punkte dazu seien herausgestrichen, was vitalpolitisch bedeutet:
-    Ausrichtung und Begrenzung der „blinden“ Marktkräfte nach ethischen Gesichtspunkten der Lebensdienlichkeit
-    effizienter Einsatz des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs im Hinblick auf „vitale“ Zwecke des guten Lebens und des gerechten Zusammenlebens

Mit einer etwas anderen Optik ergänzte Dr. Ursula Scheiber vom Hilfswerk Bruder und Schwester in Not die Ausführungen in einem Podiumsgespräch. Die unterstützten Hilfsprojekte finanzieren sich hauptsächlich aus Spenden, was einen anderen Weg von „Marktkräften“ darstellt. Als Motto könnte „Hilfe zur Selbstständigkeit“ dienen. Im Zusammenhang mit dem Thema Mikrofinanz wird dabei immer wieder „spenden versus investieren“ thematisiert. Aus der Diskussion ging hervor, dass für die meisten Teilnehmenden dies keinen Widerspruch darstellt und beide Arten nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten: sowohl „spenden“ als auch „investieren“ haben ihre Berechtigung.

Wie Investition über Mikrofinanz konkret aussehen kann, zeigte sich anhand der Vorstellung von Anbietern aus dem Mikrofinanz-Bereich. Die Präsentationen von Oikocredit, responsAbility, Invest in Visions und Bank im Bistum Essen gaben einen kleinen Einblick in die Art und Weise, wie teils über nach strengen Kriterien ausgewählten Partnerorganisationen Mikrofinanz (ein Begriff, welcher neben Mikrokredit, Mikrosparen, Mikroinsurance auch Geldtransfer umfasst) umgesetzt wird. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass Mikrofinanz die Armut in der Welt nicht beseitigt, sie aber Möglichkeiten schafft, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die Erfahrung der Anbieter macht deutlich, dass aus Investorensicht Mikrofinanz eine Rendite abwerfen sollte, der Fokus dabei aber nicht auf der Profitmaximierung liegt.

Im abschließenden Podiumsgespräch führte die Soziologin Dr. Silke Ötsch aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen einige kritische Anmerkungen zum Thema Mikrofinanz ins Feld. Bisherige Studien zu Mikrofinanz ergeben kein einheitliches Bild, wieweit sich Mikrofinanz positiv oder negativ auf die Situation von Menschen auswirkt. Es ist wie so oft in anderen Situationen im Leben: einerseits bringt „nichts tun“ keine Verbesserung, andererseits gilt es aber Auswüchse zu bekämpfen, welche primär dem Investor Verbesserung bringen.

Der gelungene Anlass hat viele Denkanstöße und Impulse gegeben, um am Thema von einer gerechteren Welt dran zu bleiben.

Die Referentinnen und Referenten haben uns Ihre Präsentationen zur Verfügung gestellt. Bei Interesse senden wir Ihnen diese gerne zu - wir ersuchen Sie hierfür um eine kurze Email: info@cric-online.org

Bericht: P. Baumann, M. Hofer-Perktold

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V.l.n.r.: Marlies Hofer-Perktold (Diözese Innsbruck, CRIC), Michael P. Sommer (Bank im Bistum Essen), Edda Schräder (Invest in Visions), Friedhelm Boschert (Oikocredit Österreich), Chärim Chatti (responsAbility Investment AG), Silke Ötsch (ATTAC Deutschland)