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Hauptversammlung der OMV AG

CRIC-Anfrage anlässlich der ordentlichen Hauptversammlung der OMV AG am 17. Mai 2011 zur Positionierung der OMV in Bezug auf "Carbon Capture and Storage"


Anfrage von Dr. Gabriel, Geschäftsführer von CRIC, an die Damen und Herren des Aufsichtsrates und des Vorstandes:

Das Corporate Responsibility Interface Center ist die größte Plattform ethisch und nachhaltig orientierter Investorinnen und Investoren im deutschen Sprachraum. Unsere Mitglieder investieren in sozial verantwortliche und ökologisch zukunftsfähige Unternehmen. Die sozial- und umweltverträgliche Geldanlage ist ein schnell wachsendes Segment, immer mehr institutionelle und private Investoren entscheiden sich für eine Einbeziehung von sozialen und ökologischen Aspekten bei ihren Anlageentscheidungen.
Die OMV ist in einigen Nachhaltigkeitsindizes gelistet, mehrere ethisch-ökologisch und nachhaltig ausgerichtete Investmentfonds investieren in die OMV. Obwohl die Erdölbranche per se keine nachhaltige Branche ist,  gilt die OMV innerhalb dieser Branche als ein Unternehmen, das zahlreiche Aktivitäten entfaltet, die aus Nachhaltigkeitssicht zu begrüßen sind. Ausdrücklich möchten wir hier die Bemühungen der OMV im gesellschaftlichen und ökologischen Bereich hervorheben und würdigen.

Allerdings können Unternehmen – und auch die OMV – rasch aus Nachhaltigkeitsindizes und Fonds ausscheiden, wenn sie gesellschaftlich oder ökologisch schädliche Aktivitäten entfalten. In Ihrem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht beziehen Sie sich auf Seite 16 auf Überlegungen zum Thema Abtrennung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage), ein Verfahren, mit dem eine CO2-Reduktion erzielt und damit ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden soll. Aus Nachhaltigkeitssicht ist dieses Verfahren der Abtrennung und Speicherung von CO2 aus einer Reihe von Gründen als nicht nachhaltig zu bezeichnen. Neben Kosten- und Effizienzüberlegungen sprechen vor allem Sicherheitsaspekte gegen die Abtrennung und Speicherung von CO2. Dieses Verfahren löst demnach keine Probleme, sondern verlagert sie lediglich. Zudem ist zu befürchten, dass die Entwicklung dieses Verfahrens zu Lasten des ebenfalls angestrebten Umstiegs auf erneuerbare Energien erfolgt. Ein solches Vorgehen, vor allem wenn es fälschlicherweise unter dem Titel der Nachhaltigkeit geführt wird, würde zu einem massiven Vertrauensverlust bei nachhaltig orientierten Investoren führen. Die Folge wäre, dass nachhaltig orientierte Investoren Wertpapiere der OMV nicht mehr kaufen bzw. verkaufen. Damit einhergehend sind ein erheblicher Reputationsschaden und somit auch eine Schwächung der Marktposition der OMV zu befürchten, was wiederum Auswirkungen auf die Gewinnsituation des Unternehmens hätte.

Wir ersuchen demnach die Geschäftsführung um Auskunft zu folgenden Fragen:

  • Wie ist der aktuelle Stand ihrer Carbon Capture and Storage-Strategie?
  • Welche Maßnahmen zur Umsetzung eines solchen Verfahrens wurden bereits gesetzt bzw. welche Maßnahmen sind beabsichtigt?
  • Wenn solche Maßnahmen bereits erfolgt sind oder in Planung sind: welche Auswirkungen hat das Projekt zur Abtrennung und Speicherung von CO2 auf die Projekte im Bereich Erneuerbarer Energien? Werden – und wenn ja, in welchem Ausmaß – Mittel aus dem Future Energy Fund für das Vorhaben verwendet?
  • Und: ist beabsichtigt, öffentliche Mittel für die Entwicklung eines Verfahrens zur Abtrennung und Speicherung von CO2 beantragt?  


Herzlichen Dank!
Dr. Klaus Gabriel/CRIC