CRIC zum Berichtsentwurf des EU-Parlaments zu Sustainable Finance

Der Diskussionsbeitrag, der am 2. Februar veröffentlicht wurde und Ende April im Parlamentsausschuss für Währung und Wirtschaft zur Abstimmung stehen wird, unterstützt die Empfehlungen der HLEG weitgehend, geht in mehreren Punkten weiter und enthält zusätzliche Forderungen. Insgesamt ist dieser Berichtsentwurf als konstruktiver und entschiedener Beitrag zur Debatte positiv zu bewerten.

Die zuständige EU-Berichterstatterin Prof. Molly Scott Cato unterstreicht in dem Dokument unter anderem die wichtige Rolle sowohl von wirtschafts- als auch von fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen, um eine nachhaltige Finanzwirtschaft zu erreichen. Sie fordert beispielsweise einen substantiellen CO2-Preis, verpflichtende Transparenzvorschriften und zudem Eigenkapitalvorschriften, die Risiken vollständig widerspiegeln, womit sie sich für höhere Anforderungen für braune und gegen niedrigere für grüne Investments ausspricht. 

Folgende Anregungen möchte CRIC mit Blick auf diesen Bericht einbringen:

  1. Nachhaltigkeit in einem umfassenden Sinne adressieren
  2. Der Bedeutung von Aus- und Weiterbildung gerecht werden
  3. Die Debatte zu FinTech miteinbeziehen

Zu 1: Der Berichtsentwurf priorisiert den Klimawandel als das drängendste Problem, auch mit der Begründung von Wechselwirkungen mit anderen ökologischen, die Zukunft der Menschheit bedrohenden Krisen. Die Autorin möchte den Fokus auf die Begrenzung der Erderwärmung als ersten Schritt verstanden wissen, auf den ein zweiter folgen soll, der auch weitere ökologische Krisen – genannt sind Wasserknappheit und -verschmutzung, Entwaldung und Verlust von Lebensraum, Verschlechterung der Bodenqualität, Gefährdung der Nahrungsmittelversorgung, die Schwächung des Stickstoff- und Phosphorkreislaufs, Versauerung der Ozeane und Ozonabbau – in den Blick nimmt.

Angesichts anderer, neben dem Klimawandel ebenso drängender ökologischer und namentlich sozialer Probleme bleibt diese thematische Verengung jedoch hinter dem Notwendigen zurück. Im Berichtsentwurf selbst sind die Sustainable Development Goals (SDGs) wenigstens erwähnt; zudem bezieht er sich immer wieder auf ESG (Environment, Social, Governance). Dieser – zumindest an einigen Stellen – durchscheinende umfassende Nachhaltigkeitsansatz sollte nicht in einem zweiten oder dritten Schritt, sondern von Beginn an dem Bericht und damit den Forderungen des Europäischen Parlaments zu Sustainable Finance zugrunde liegen.

Zu 2: Das Thema der Aus- und Weiterbildung bleibt in dem Berichtsentwurf ausgespart. Dabei ist ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei Anlegerinnen und Anlegern und entsprechende Expertise in der Finanzbranche selbst die entscheidende Grundlage, damit viele der beispielsweise in diesem Berichtsentwurf genannten Forderungen überhaupt effektiv umgesetzt werden können. Der Aspekt der Aus- und Weiterbildung sowie bewusstseinsschaffender Maßnahmen sollte deshalb explizit adressiert werden.

Zu 3: Die Digitalisierung ist im Begriff, Veränderungen auszulösen, die ganz neue Herausforderungen schaffen, aber auch neue Chancen bieten. Der Finanzsektor bleibt von diesem Prozess nicht unberührt. Insbesondere auch hier können die technischen Innovationen für Nachhaltigkeit nutzbar gemacht werden. Vor diesem Hintergrund bleibt unklar, warum der Berichtsentwurf an keiner Stelle auf dieses Thema eingeht. Er sollte stattdessen Stellung beziehen und sich beispielsweise für eine "Strategy for Sustainable FinTech" stark machen. 

CRIC freut sich auf die weitere Debatte, wird sie mit großem Interesse verfolgen und sich weiterhin gerne aktiv einbringen.

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