EU veröffentlicht Biodiversitäts-Strategie 2030

30 Prozent an Land und Meeresgebieten unter Naturschutz stellen, den Anteil biologischer Landwirtschaft auf mindestens 25 Prozent erhöhen, den Rückgang von Bestäubern beenden bzw. umkehren, den Gebrauch von Pestiziden um 50 Prozent senken, europäische Flüsse über eine Strecke von mindestens 25.000 Kilometern renaturieren und drei Milliarden Bäume pflanzen: Dies alles möchte die EU-Kommission mit ihrer Biodiversitäts-Strategie, die sie am 20. Mai, dem internationalen Tag der Biodiversität, vorgestellt hat, bis 2030 erreichen. 

20 Milliarden Euro pro Jahr sollen hierfür aufgebracht werden – von der EU, den Nationalstaaten und von privater Seite. Ziel der Kommission ist es, Fragen zu Naturkapital und Biodiversität in die Geschäftsmodelle zu integrieren. Die EU kündigt weiterhin an, sich auf der 15. Conference of the Parties to the Convention on Biological Diversity, die im chinesischen Kunming stattfinden wird und wegen der Corona-Krise von Oktober 2020 auf 2021 verschoben wurde, für ein ambitioniertes internationales Biodiversitäts-Rahmenwerk einzusetzen. 

Laut EU-Kommission hängen 40 Billionen Euro des globalen BIP von der Natur ab – vor allem das Baugewerbe, die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie sind exponiert. Die EU-Kommission stellt in ihrer Biodiversitäts-Strategie außerdem eine Verbindung zu Covid-19 her. So schreibt sie beispielsweise: “This reflects the fact that the risk of emergence and spread of infectious diseases increases as nature is destroyed” (im Kommunikations-Dokument auf Seite 2). 

Die Biodiversitäts-Strategie ist Teil des Green Deal, der unter anderem auch eine erneuerte Sustainable Finance-Strategie vorsieht (siehe hier und hier), in der wiederum das Thema Biodiversität eine Rolle spielen wird. Auch im EU-Aktionsplan Sustainable Finance aus dem Jahr 2018 ist das Thema bereits adressiert. So zählt es zu den sechs Umweltzielen der Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Die Kriterien für dieses Umweltziel sind allerdings noch nicht entwickelt worden. 

Auch im Finanzbereich wird das Thema zunehmend diskutiert. Kürzlich hat die in Brüssel ansässige Nichtregierungsorganisation Finance Watch einen Bericht zum Thema Biodiversität mit dem Titel Nature’s Return. Embedding environmental goals at the heart of economic and financial decision-making vorgestellt und die OECD im gleichen Monat A Comprehensive Overview of Global Biodiversity Finance. Der WWF Schweiz und pwc haben im Januar 2020 den Bericht Nature is too big to fail. Biodiversity: the next frontier in financial risk management veröffentlicht. Der VfU hat bereits 2011 einen Leitfaden für den Finanzsektor zur Beurteilung von Biodiversitätsrisiken und -chancen. Ein Hilfsmittel zur Umsetzung der VfU-Biodiversitäts-Prinzipien herausgegeben. 

Das Thema Biodiversität ist trotz seiner Dringlichkeit und Aktualität im öffentlichen Bewusstsein noch weniger stark präsent als beispielsweise der Klimawandel. Dies spiegelt auch die CSR-Berichterstattung von Unternehmen wider. Laut dem 2019 Research Report. An analysis of the sustainability reports of 1000 companies pursuant to the EU Non-Financial Reporting Directive von der Alliance for Corporate Transparency enthalten die Nachhaltigkeitsberichte von knapp 65 Prozent der 1000 größten Unternehmen in Europa keine Informationen zu einer Strategie im Bereich Biodiversität und Naturschutz. Drei Viertel berichten überhaupt nicht zu Ergebnissen in diesem Bereich (siehe Seite 14f.). 

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