Rückblick zur Veranstaltung "Investmentethische Grundfragen: Asset-Klassen auf dem Prüfstand" am 8.11.2018

Zu einer weiteren Veranstaltung aus der Reihe "Investmentethische Grundfragen" lud CRIC - in Kooperation mit der Diözese Innsbruck - am 8.11. nach Innsbruck ein. Diesmal ging es um die Frage, ob bzw. unter welchen Umständen in Asset-Klassen wie Rohstoffe, Derivate oder Immobilien aus investmentethischer Sicht investiert werden kann.


Beim Format "Investmentethische Grundfragen" werden Themenbereiche so behandelt, dass einem kurzen, wissenschaftsbasierten Input eine Fachdiskussion am Podium und mit dem Publikum folgt. Das Ziel ist es, Pro- und Kontra-Argumenten zu identifizieren und zu diskutieren und damit Investierende bei ihren Entscheidungen zu unterstützen.


Bei dieser Veranstaltung ging es um die investmentethische Bewertung von Asset-Klassen: Kann unter ethischen Gesichtspunkten in Asset-Klassen wie Rohstoffe, Derivate oder Immoblien investiert werden? Die Antwort lautete bei allen drei Asset-Klassen gleich: "Ja, aber ...".

  • Bei Rohstoffen (Input: Samuel Drempetic, Steyler Ethik Bank, am Podium: Richard Brugger, 3Banken Generali Investment-GmbH und Michael Rosenberger, Kath. Privat-Universität Linz, Moderation: Elgin Gorissen-van Hoek) wurde am Beispiel von Gold veranschaulicht, dass es nicht der Rohstoff an sich ist, der ethisch bedenklich ist, sondern es vor allem die mit der Förderung von Rohstoffen einhergehenden sozialen und ökologischen Problematiken sind, die es ethisch zu reflektieren gilt. Doch auch "nachhaltig" produziertes Gold kann seine Tücken haben: So könnte etwa Gold, das unter sozial und ökologisch vertretbaren Bedingungen gefördert wird, trotzdem problematisch sein, wenn dadurch die Nachfrage nach Gold insgesamt gesteigert wird und in Folge dessen mehr Gold unter sozial und ökologisch abzulehnenden Bedingungen abgebaut wird.
  • Derivate (Input: Simone Heinemann, Ruhr-Universität Bochum, am Podium: Gerhard Rehor, Dr.Rehor.Beratung GesmbH und Axel Hesse, Metzler Asset Management GmbH, Moderation: Klaus Gabriel, CRIC) sind in zeitgemäßen Portfolios oft nicht mehr wegzudenken, weil sie wesentlich zur Risikoreduzierung beitragen können. Zum Problem werden sie vor allem dann, wenn der Handel mit Derivaten systemische Risiken erzeugt oder zum Selbstzweck wird. Die Schwelle, ab der Derivate nicht mehr Risikoinstrument, sondern Spekulation sind, ist schwer zu definieren und muss wohl individuell festgelegt werden. Was wiederum Spekulation genau ist und ob diese in allen Fällen auch ethisch abzulehnen ist, muss ebenfalls erst einer differenzierteren Betrachtung unterzogen werden.
  • Dass Immobilien (Input: Gesa Vögele, CRIC, am Podium: Thomas Homm, Bank im Bistum Essen und Markus Zeilinger, fair-finance AG, Moderation: Marlies Hofer-Perktold, Diözese Innsbruck und CRIC) nicht nur in ökologischer Hinsicht (z.B. Bauökologie), sondern auch in Bezug auf gesellschaftlich-soziale Aspekte einer investmentethischen Reflexion bedürfen, wurde in der Diskussion deutlich, die auf die Vorstellung des CRIC-Leitfadens für ethisch-nachhaltige Immobilieninvestments folgte. Wer heute in Immoblien investiert, muss sich zum Beispiel auch Gedanken darüber macht, welchen Einfluss dieses Investment auf leistbaren Wohnraum und Stadtentwicklung hat.

In der abschließenden Diskussion (es diskutierten Markus Köck, Finanzkammer der Diözese Innsbruck, Thomas Homm, Bank im Bistum Essen und Roman Limacher, Hauck&Aufhäuser unter der Moderation von Klaus Gabriel, CRIC) ging es schließlich um die aktuellen Herausforderungen und Trends bei ethisch-nachhaltigen Geldanlagen. Als besonders spannende Aspekte dieser Diskussion - die aus Zeitgründen bestenfalls angerissen, aber nicht ausdiskutiert werden konnten - sind die von der EU-Kommission ausgehenden Aktivitäten und die neuen Anlagerichtlinien der österreichischen Bischofskonferenz zu nennen.


Folgende Materialen dieser Veranstaltung können hier heruntergeladen werden:
Präsentation "Derivate" von Dr. Simone Heinemann
Präsentation "Ethisch-nachhaltige Immobilieninvestments" von Gesa Vögele
CRIC Leitfaden für ethisch-nachhaltige Immobilieninvestments

Artikel "Umwelt- und Sozialstandards im mineralischen Rohstoffsektor" mit freundlicher Genehmigung des Eine Welt Netzwerk Bayern e.V.

 

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